Wie der Gnevkower Schneidermeister zu Tode kam

Wie der Gnevkower Schneidermeister zu Tode kam

Von Gudrun Herzberg

Ahnenforscher machen sich an die Arbeit, um das umfangreiche Material in Kirchenbüchern zu sichten und zu digitalisieren. Da findet sich manche tragische Geschichte.

Hohenmocker/Gnevkow

Wie der Gnevkower Schneidermeister zu Tode kam von Gudrun Herzberg / Nordkurier, Montag, 16.01.2017

Wie der Gnevkower Schneidermeister zu Tode kam
von Gudrun Herzberg / Nordkurier, Montag, 16.01.2017

Aktenberge liegen auf dem großen Tisch im Pfarrhaus von Hohenmocker. Der Fußboden ist mit alten, uralten Büchern bedeckt. Kaum ein Durchkommen. Aber die Ahnenforscher des Vereins Pommerscher Greif haben den Überblick und sitzen ganz fasziniert über dem alten Kirchenmaterial.

Zu ihnen gehört David Krüger, der für den Altkreis Demmin Ansprechpartner beim Pommerschen Greif ist. Neben den alten Kirchenbüchern in Hohenmocker hat er jetzt auch die alten Bücher in der Kirche Gnevkow durchgeschaut.

Der Verein wurde im Jahre 2000 in Greifswald gegründet und hat bereits in den ersten zehn Jahren über 400 Mitglieder gewonnen. Geboren aus der Notwendigkeit, die vielen Aktivitäten von einzelnen Forschern zu bündeln und zu koordinieren, kam der Verein gerade rechtzeitig, um die zunehmende Öffnung und Transparenz der Archive in Deutschland und Polen mitzuerleben. „Wir haben uns vorgenommen, alle diese Daten zu digitalisieren“, erklärt David Krüger. Denn das überfordert die Kirchengemeinden, sie freuen sich über die Hilfe des Greifswalder Vereins.

„Man findet neben vielen interessanten Geschichten auch immer wieder etwas Kurioses, in diesem Fall aber eher Tragisches“, erzählt der Ahnenforscher.

So hat er kürzlich beim Erstellen eines Namensverzeichnisses der Gnevkower Kirchenbücher einen Sterbeeintrag aus dem Jahre 1888 gefunden. Unter dem Namen Johann Friedrich Vollrath Schweimann gibt es folgende Geschichte:

Besagter Schneidermeister ist laut dem Kirchenbuch am 2. Juli 1835 geboren und am 29. Februar 1888 zwischen 9 ¼ und 10 ½ Uhr am Bahnwärterhaus am Hohenmocker-Hohenbrünzower Weg gestorben. Warum gerade am Bahnwärterhaus? Das fragte sich auch David Krüger und las weiter.

Geschrieben steht im Kirchenbuch: „An dem Wärterhaus ist er, weil er in der strengen Kälte sich müde gefühlt, mit Erlaubnis des Bahnwärters in das Wärterhaus getreten. Dort ist er jedenfalls eingeschlafen und von Kohlendampf, da mehrere Späne in einem Kasten durch unbekannte Ursache in Brand gerathen, betäubt, so daß er dem Bahnwärter, der nach etlicher Zeit zurückgekehrt ist, beim Öffnen der Thür entgegenfällt und bewusstlos ist. Der Bahnwärter legt ihn draußen am Wärterhaus nieder, weil er seines Amtes walten muss, in der Meinung, der bewusstlose Schweimann werde sich von der Betäubung draußen erholen, da das Wärterhaus auch ganz voll Rauches ist. Als der Bahnwärter aber nach dem letzten Zuge zu seinem Wärterhause zurückkehrt, ist der Schweimann todt“.

Auch solche Geschichten stehen in den alten Kirchenbüchern.

„Mit unserer Arbeit wird das Pfarrarchiv für interessierte Ahnenforscher zugänglich gemacht. Vielleicht sucht die Familie ja nach solchen Einträgen und Geschichten“, erklärt David Krüger. Später sei eine Digitalisierung einzelner, besonders wertvoller Akten geplant. Ein Schatz, der bewahrt werden muss.

Ein Schatz, der wohl in mancher Kirchengemeinde noch schlummert.

 

Foto 1: David Krüger vom Verein Pommerscher Greif sichtet in Kirchengemeinden, wie in Hohenmocker, die alten Kirchenbücher und digitalisiert sie für die Ahnenforschung. Und findet manch interessante Geschichte.

Foto 2: Mitglieder des Vereins Pommerscher Greif aus Greifswald forschen in alten Kirchenbüchern.