100 Jahre Neubau der Fürstin-Hedwig-Schule in Neustettin

Dieser mit einer europäisch-polnische-deutschen Flagge bedeckte Gedenkstein wurde gestern in Neustettin enthüllt.

Gedenkstein Fürstin-Hedwig-Schule Neustettin Quelle: http://temat.net/aktualnosci/14449/Kamien-Jadwigi-Brunszwickiej-czeka-na-oficjalne-odsloniecie

Die Fürstin Hedwig Schule in Neustettin gehört zu den ältesten pommerschen Gymnasien. Wikipedia schreibt: “Fürstin Hedwig von Braunschweig-Wolfenbüttel, die Witwe des Herzogs Ulrich von Pommern, lebte seit 1623 an ihrem Witwensitz Neustettin. 1640 stiftete sie eine evangelische Lateinschule indem sie zwei höhere Lehrstellen einrichtete. Nach ihrem Willen sollte die Schule nicht nur der einheimischen Bevölkerung, sondern auch der Jugend in den angrenzenden, unter polnischer Oberhoheit stehenden, Gebieten als höhere Bildungseinrichtung offen stehen. In der südwestlich von Neustettin gelegenen Starostei Draheim waren 1625 im Zuge der polnischen Gegenreformation die evangelischen Geistlichen des Landes verwiesen und die evangelischen Kirchen und Schulen geschlossen worden.”

Ein weiterer Förderer war der aus der Lottin stammende kgl. preußische Kabinettsminister Graf Ewald von Hertzberg. Obwohl er selbst in Stettin die Schule besucht hatte, lag ihm als Kinderlosem die Schulbildung auch in Neustettin sehr am Herzen und er unterstützte die von der Schließung bedrohte Schule nicht nur finanziell.

Johann Samuel Kaulfuß (1780-1832) Denkmal in Neustettin

Johann Samuel Kaulfuß (1780-1832) Denkmal in Neustettin aus Baltische Studien NF 71

Als nächsten Meilenstein in der Geschichte kann man den auch jetzt noch in Polen geehrten Lehrer Johann Samuel Kaulfuß betrachten, der 1824 aus Posen kam und die kurz vor der Schließung stehende Schule mit 66 Schülern wieder zum Leben erweckte, bei seinem Tod 1832 gab es schon wieder 205 Schüler. Schon zu Lebzeiten wurde er um seine Verdienste um die polnische Sprache gewürdigt (Polen existierte nach dem Wiener Kongress 1814 und der vierten Teilung praktisch nicht mehr) und auch deshalb ist sein Denkmal heute noch in Ehren. Es stand ursprünglich (Foto) an der Nikolaikirche und wurde nach dem Krieg an das neue Gymnasialgebäude umgesetzt, es trug die Inschrift “sein Gutes ging auf andere über.”

Die heutige Gedenkfeier fand statt anlässlich des 100sten Geburtstags des Neubaus der Schule am Streitzigsee. Neben Vertretern der Stadt und des Staats sprach auch Gesine Reinstrom, die Vorsitzende der Fürstin-Hedwig-Schüler e.V. Sie enthüllte den gestifteten Stein und kündigte die baldige Auflösung ihrer Vereinigung aus Altersgründen an.

Ein Thema, das zunehmend wichtiger wird. Oft haben gerade die Vereinigungen ehemaliger Schüler eine kulturell wertvolle Arbeit über die Geschichte ihrer Heimat geleistet, ich nenne hier ohne Anspruch auf Vollständigkeit : Vereinigung ehemaliger Stralsunder Gymnasiasten, Vereinigung Staatliche Lessingschule Stolp und Früheres Lyzeum, Vereinigung ehemaliger Mittelschüler zu Kolberg, Vereinigung Ehemaliger Gröningianer. Über die Gröningianer werden wir demnächst berichten.

Manche diese Vereine sind inzwischen aufgelöst oder stehen, wie der aus Neustettin, aus Altersgründen vor der Auflösung. Dieser Verein hatte in Spitzenzeiten, wie Frau Reinhardt in Neustettin berichtete, 700 Mitglieder und jetzt nur noch 120, größtenteils bereits Nachkommen der ehemaligen Schüler. (Wobei ich 120 noch ein stolze Zahl finde).

Was geschieht mit den Archiven und den Unterlagen dieser Vereinigungen? Es gibt nur noch wenige Orte, wie die Heimatstube der Stolper Heimatkreise,  die ein lebendiges Archiv für diese Dokumente bilden. Da sind auch wir als “geschichtliche Hilfswissenschaftler” gefordert, Kontakte und Hilfestellungen anzubieten.

M.Ott

Weitere Informationen:

Fürstin Hedwig Schüler e.V.

Artikel bei Temat Szczecinski über die Enthüllung des Gedenksteins (Ankündigung)

Artikel bei Temat Szczecinski über die Enthüllung des Gedenksteins

Bericht bei gk24.pl über die Enthüllung

Johann Samuel Kaulfuß (1780-1832) und sein Denkmal im heutigen Neustettin, Baltische Studien NF 59

Die Rettung des Neustettiner Fürstin-Hedwig-Gymnasiums, Baltische Studien NF 72

Herzogin Hedwig von Pommern und der Prediger Gregor Lagus. Bemerkungen zur Stiftung des Neustettiner Gymnasiums im Zeitalter der Gegenreformation 1649 Baltische Studien NF 67