Oster Reinemachen

Oster Reinemachen

von Willem vom Luntentorm in: Heimatleiw und Muddersprok, 3. Jahrgang, Nummer 16, Greifswald, 20.4.1924

So um Ostern allemal
Wird das Haus dir stets zur Qual.
Weil die Gattin, still und gut,
Jetzt ergreift die Reinmachwut!

Frühjahrsputz

Frühjahrsputz

Ohne Gardinen sind längst die Zimmer!
morgens um sechse,  das Kindergewimmer,
Treibt dich vorzeitig aus dem Haus.
Hilf Himmel! wie sieht es bei uns heute aus!

Der Korridor ist voll Möbel gestellt.
Im Zimmer des Herrn sie Razzia hält
Auf dem Tisch und im Bücherschrank.
Polierte Tasten erzeugen Schrillklang

Vasen und Bilder im bunten Gemisch
Stehen rund um den Büchertisch.
Über die Wände Bürsten fegen
Wo sich heute die Hände regen,

Bleibt nichts verschont nichts unentdeckt.
Hat’s dort nicht auf den Teppich geleckt?!
Macht nichts! nur das Tintenfass fiel
Um bei diesem Reinmachespiel !

Es saust der Besen, er macht klipp klapp!
Diesmal bekam nur der Spiegel was ab.
Winselnd der Hund aus dem Zimmer hinkt
Wart’st du noch lang sicherlich winkt
Dir auch noch ein Amt unabweislich.
Beim Zeus! so was ist scheußlich!

Im Takt geht man dem Sofa zu Leib.
Macht einer sowas zum Zeitvertreib.
Wenn es durch die Stuben rinnt unabläßlich
Ne Kinder!  so etwas ist gräßlich!

Mantel und Hut! ich suche das Weite!
Dass ich lache. die Stadt ist voll Leute,
Die auch enteilten, ganz einerlei
Nur der großen Reinmacherei

Am Abend kehr ich still und leis
Wieder ins heimische Paradeis
Es glänzet das Heim, es glänzt das Gesicht
Von Gattin und Stütze “weine nur nicht
Ob das Fleckes von Tinte” sage gern
“Längst war ein Spiegel schon unmodern”

Nur die Nippes auf den Konsolen
-ja die konnte der Teufel holen –
blieben wieder mal ganz unabwendlich
sagt mal: ist sowas nicht schändlich.

 

 

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