Seminar in Greifswald 2017

Wieder mal ist ein inhaltsreiches und informatives Seminar des pommerschen Greif in Greifswald viel zu schnell zu Ende gegangen. Vollgepackt mit anregenden Vorträgen und Diskussionen und dazu strahlendem Sonnenschein verging die Zeit wie im Fluge.

Saal

Voller Saal beim Seminar 2017 in Greifswald

Freitag

Den Auftakt bildete am Freitagabend Heinz Radde aus der Schweiz mit seinem Vortrag “Jüdische Emigration von Pommern nach Shanghai”

Er berichtete anhand des Schicksal der Familie Rosen aus Groß Tuchen, Kreis Bütow über die Immigration pommerscher jüdischer Familien nach Shanghai . Durch Kontakte zu in den USA lebenden Angehörigen konnte er die Flucht mit jeder Menge von Originaldokumenten anschaulich illustrieren. Allein schon die Anzahl der vorher zu besorgenden Visa für die Reise durch die Sowjetunion war erschreckend und es war wohl viel Glück im Spiel, dass die Familie (Vater, Mutter und Sohn) letztendlich in Shanghai überlebte und dann nach Amerika reisen konnte.
http://grosstuchen.de/Juden.html

Landkarte

Eine Auswahl über Landkarte ist für das pommersche Volkskundearchiv in Zukunft geplant.

Samstag

Der Samstag begann nach einem Grußwort von Prof. Dr. Wolfgang Methling als Vertreter des Landesheimatverbandes Mecklenburg-Vorpommern mit der Vorstellung neuer hochkarätiger Projekte der Universitätsbibliothek Greifswald und des Universitätsarchivs. Dr. Dirk Alvermann,  Leiter des Universitätsarchivs Greifswald, berichtete über das digitale pommersche Volkskunde Archiv. Im Rahmen der Erhebungen zum deutschen Volkskunde Atlas haben sich wohl in Greifswald spezielle pommersche Fragebögen erhalten, die jetzt digitalisiert werden. Über die Internetadresse http://digitale-bibliothek-mv.de , dann Sammlungen – Archive – Universitätsarchiv Greifswald kommt man zum Einstieg in die bisher veröffentlichten Zettelsammlung,  entweder sortiert nach  Kreisen oder nach Themen.

Blüggel

Bruno Blüggel, Universitätsbibliothek Greifswald

Bruno Blüggel von der Universitätsbibliothek Greifswald demonstrierte den Stand der Digitalisierung der “Vitae pomeranorum” (wir berichteten im August 2016) und wies auf die zahlreichen Verknüpfungen hin, die der Nutzer kaum wahrnimmt, die aber die Suche einfacher machen, z.B. zur GND (Gemeinsamen Normdatei) bei der Nationalbibliothek.

Bei beiden Projekten sollen durch Crowdsourcing mehr Daten erfasst werden, wie das geht, wurde am Nachmittag in einem kurzen Workshop erläutert, wir werden hierzu bald noch ausführlichere Informationen anbieten.

 

 

 

Weiter ging es im dicht gepackten Vormittagsprogramm mit dem Bericht über eine Flugzeug-Bergung 2014 in Dreilützow von Karsten Richter vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Schade, dass der Pilot trotz gefundener Erkennungsmarke nicht identifiziert werden konnte.

Kriegsgräberfürsorge

Aus dem Vortrag des Volksbundes für Kriegsgräberfürsorge

Kurzweilig erzählte unser Mitglied Wilfried Krempien über “Ahnenforschung bis in die Rechtsmedizin”. Ein Vorfahr befindet sich als Mumie in der Rechtsmedizin in Potsdam. Wesentliche Inhalte seines Vortrags können sie jetzt auch in einem Artikel der SVZ nachlesen.

Als Abschluss vor dem Mittagessen informierte der Vorsitzende unseres polnischen Partnervereins “ZTG Pomerania” , Wojciech Wilski,  über den Stand der Digitalisierung der Personenstandsregister im Staatsarchiv in Koszalin/Köslin und der Zweigstelle in Slupsk/Stolp. Durch die Änderung des Personenstandsgesetzes in Polen kam es erneut zu einem großen Zuwachs der Registeranzahl in den Archiven.  Insgesamt hat Pomerania bisher über 800 000 Aufnahmen gemacht. Für 2017 ist geplant, Register mit Geburten bis 1916 und Heiraten und Sterbefälle bis 1935 in diesen beiden Archiven zu fotografieren . Das wird ein Umfang von ca. 4200 Bänden sein. Bisher wurden vom Team unter dem Namen “Pommerscher Greif” 260 000 und vom Arbeitskreis Heimat-und Familienforschung Stolper Lande 190 000 Datensätze eingereicht.   Weitere Mithelfer für die Indexierung werden gesucht! Im Juni wird ein Treffen in Stettin zwischen den Vorständen beider Vereine stattfinden, um die Zusammenarbeit erneut um ein Jahr zu verlängern.

Der Nachmittag stand im Zeichen von Exkursionen zur Greifswalder Universität und den Bürgerhäusern dort, Diskussionsrunden über Crowdsourcing, die polnischen Digitalisate, Ortsfamilienbücher sowie Gesprächsrunden mehrerer in pommerschen Kreisen organisierten Forscher.

Karzerordnung

Karzerordnung der Universität Greifswald von 1888, Foto S. Petersen

Karzertür

Karzertür, Foto S. Petersen

Sonntag

Am Sonntagmorgen lernte man beim Vortrag von Prof. Wallschläger , was sich alles außer den bekannten Angaben zu Taufe, Heirat und Tod in alten Kirchenbüchern finden lässt. Der Unterschied zwischen Original und Kopie für das Amtsgericht wurden untersucht anhand von Exemplaren, wo beide Fassungen erhalten waren. Vielfältige statistische Auswertungen aus dem Kirchenbuch Hoff gaben Einblick in Heiratsalter (die Männer waren durchschnittlich 5 Jahre älter), typische Wochentage zum Heiraten (Freitag und Dienstag), das Alter der Frauen beim letzten Kind und viele andere interessante Aspekte mehr.

Kirchenbücher

Aus dem Vortrag von Prof. Wallschläger

Danilo Beiersdorf stellte kurz die derzeit nur Mitgliedern zugängliche Quellendatenbank vor, die nach Fertigstellung auch öffentlich zugänglich sein wird. Eine Zahl als Beispiel: Aus ca. 150 Standorten von Archivalien wurden bisher Angaben erfasst, ein Zeichen für die starke Verteilung der pommerschen Personenstandsregister.

Dr. Klaus Dieter Kohrt referierte über die “Qual der Wahl” beim richtigen Genealogieprogramm. Fazit: Die eierlegende Wollmilchsau gibt es leider nicht, man sollte sich vor der Entscheidung zu einem Programm erst über die eigenen Bedürfnisse im Klaren sein.

Abschließend stellte Hartmut Wegner die Aktivitäten des jetzt als Forschungsgruppe im Greif anerkannten Arbeitskreises Familiengeschichte Vorpommern http://familiengeschichte-vorpommern.de/ vor, der aus dem Arbeitskreis  Stadt & Land Ueckermünde entstanden ist.

Mit der Wahl des Hotels und mit dem Termin zeigten sich viele der fast 90 Gäste sehr zufrieden, so dass wir überlegen, auch im nächsten Jahr wieder eine Seminar im März anzubieten. Ob es wieder Greifswald sein wird oder eine andere vorpommersche Stadt oder sogar ein ganz anderer Ort,  steht noch offen. Anregungen für geeignete Lokalitäten sind  immer willkommen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.